Vortragsreihe: Ort und Ortsbezug in der Architektur

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Start 12.11.08 / 19:00
Prof. Dr. Tomáš Valena
(München) Architekt und Stadtplaner
There are Places I Remember
Von der Ortsbezogenheit des Menschen zum Ortsbezug der Architektur

In inhaltlicher Verbundenheit weisen wir auf die aktuelle Vortragsreihe der Hochschule München Fakultät Architektur hin, zum Thema: Ort und Ortsbezug in der Architektur

“Der erste Zyklus der Vorträge in der Karlstrasse beschäftigt sich mit einem der Basics der Architektur. Sind es nach Vitruv lediglich drei (firmitas, utilitas, venustas), so wollen wir den Ort und folglich den Ortsbezug zu den grundsätzlichen Einflussgrößen der Architektur hinzufügen, ist doch jede Architektur im realem Raum mit einem Ort verwickelt. Sind die Vitruvschen „Fundamentalien“ letztlich alle normativ beschreibbar oder typologisch zu fassen, so kann der Ort als das jeweils Besondere, Partikuläre und Individuelle nur über einen Dialog, nur durch entsprechende Bezugnahme für die Architektur erschlossen werden. Führt der Bau mit dem Ort kein Zwiegespräch, geht er mit ihm keine (wie auch immer geartete) Beziehung ein, bleibt der Ort stumm und die Architektur autistisch.

Diese Rede vom Ortsbezug der Architektur folgt freilich dem anthropomorphen Denkschema. Die Architektur steht hier stellvertretend für den handelnden, sich beziehenden Menschen und auch der Ort bekommt Attribute eines wirkenden Wesens, eines „genius loci“, wie die Altvorderen gesagt hätten, um der Vorstellung einer gegenseitigen Beziehung zu genügen. Bei der Rede vom Ortsbezug der Architektur werden wir also zunächst die Raum- und Ortsbezogenheit, das In-der-Welt-sein des Menschen und seine psychische Verfasstheit bedenken müssen.

Ist ein so verstandener Ortsbezug der Architektur überhaupt rational beschreibbar? Lässt er sich als Qualität an sich bewerten? Wie kann man sich auf einen problematischen Ort, gar einen „Unort“ beziehen? Welche Rolle spielen virtuelle, imaginäre Orte für unsere Raumbezogenheit? Die Vermutung liegt nahe, dass sich der Ortsbezug nur individuell, an konkreten Beispielen erfassen lässt. Eine „Lehre des Ortsbezugs“ ist nur schwer, eine Thematisierung der Bezüge schon eher vorstellbar.

Das Bedenken des Ortes, des Ortsbezugs der Architektur gehört selten zu den aktuellen oder modischen Themen des Architekturdiskurses, eher schon zu den Basics der Profession, ohne die keine reflektive Architekturproduktion denkbar ist. Mit der Vortragsreihe zum Ort und Ortsbezug wollen wir diese fundamentale Dimension der Architektur anhand historischer und zeitgenössischer Positionen konkret und durchaus kontrovers beleuchten.”

Tomáš Valena

Termine
Alle Vorträge jeweils Mittwoch / 19:00 /  Audimax / Hochschule München / Karlstrasse 6

12.11.08 Prof. Dr. Tomáš Valena (München) Architekt und Stadtplaner
There are Places I Remember
Von der Ortsbezogenheit des Menschen zum Ortsbezug der Architektur
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19.11.08 Prof. Dr. Omar Akbar (Dessau) Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau,
Geschäftsführer der IBA Stadtumbau 2010
Was heißt schon Ortsbezug in Shrinking Cities?

26.11.08
Dipl. Ing. Helmut Riemann (Lübeck) freischaffender Architekt, BDA
Weiterbauen in Norden
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3.12.08 Prof. Dr. Jan Pieper (Aachen) Bauforscher
Topographie und Geschichte des Ortes als Thema der Architektur
Am Beispiel von Monte Imperiale, einer Villa der italienischen Renaissance

10.12.08 Prof. Juhani Pallasmaa (Helsinki) Architekt und Architekturtheoretiker
Landscapes of the Mind
The reality of place in architecture and cinema
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